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Klimaanpassung

Klimawandel: Aktives Handeln der Gemeinde Lyss

Der Klimawandel ist eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Die Veränderungen des Klimas haben nicht nur Auswirkungen auf unsere Gesundheit, sondern beeinflussen auch unsere Infrastruktur und die natürliche Umwelt. Doch welche Klimaauswirkungen erleben wir hier im Seeland und was können wir tun, um uns besser an die veränderten Bedingungen anzupassen? Mit den Klimainterviews mit besonders betroffenen Personen und Berufsgruppen und weiteren Infos, finden sie hier die Antworten.

Lyssbach Lyss

Interviews mit Betroffenen

Wir wollen, dass alle in unserer Gemeinde verstehen, was der Klimawandel bedeutet und wie wir handeln können. Deshalb sprechen wir auch mit Menschen, die schon Erfahrungen mit den Veränderungen gemacht haben. Ihre Geschichten und Tipps können uns allen helfen, besser vorbereitet zu sein.

Marco Läng, Werkhof

Marco Läng, Leiter Werkhof Gemeinde Lyss
Marco Läng, Leiter Werkhof Gemeinde Lyss

„Wir bewässern ungefähr einen Viertel mehr als noch vor fünf Jahren.“

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur globale Ökosysteme, sondern auch alltägliche Aufgaben lokaler Arbeitsgruppen wie die des Werkhofs. Mit 21 engagierten Mitarbeitenden, ist der Werkhof an vorderster Front mit diesen Veränderungen konfrontiert. Marco Läng, der Leiter des Werkhofs und erfahrener ehemaliger Bauführer sowie Vater von drei Kindern, erläutert, wie er und sein Team die Veränderungen bei der Arbeit erleben.

Welche Auswirkungen des Klimawandels merken Sie am stärksten?
Die grössten Auswirkungen sehen wir bei den Bäumen, die eine Art Sonnenbrand erleiden. Um sie zu schützen, verwenden wir in Lyss Schilfmatten gegen die Sonne und Schädlinge. Die Hitzetage beeinträchtigen auch unsere Infrastrukturen, da der Strassenbelag unter der anhaltenden Hitze leidet und dadurch stark abgenutzt wird.

Haben Sie mit Blick auf die häufigeren und intensiveren Hitzewellen die Bewässerung der Pflanzen angepasst?
Wir bewässern ungefähr einen Viertel (!) mehr als noch vor fünf Jahren. Dank neuer Bewässerungssäcke können wir Wasser, gezielter und kontinuierlich an die Bäume abgeben. Dies ermöglicht es uns, den Mehrverbrauch des Wassers auszugleichen und die Arbeit des täglichen Bewässerns zu sparen. 

Wie wirkt sich die Verlängerung der Vegetationsperiode auf Ihre Arbeit aus?
Wir jäten durch die verlängerte Wachstumsphase der Pflanzen länger. Da wir auf Düngemittel mit Stickstoffbasis und Herbizide verzichten, machen wir vieles mit Heisswasser oder von Hand. Der Frühling fängt früher an, das merken wir, indem die Bäume und Gras schneller wachsen. Es sind keine grossen Veränderungen, sie kommen stückchenweise und schleichend, aber sie sind stetig. Und sicher bemerken wir auch, dass die Pflanzen später im Herbst noch in der Wachstumsphase sind. Zum Beispiel haben wir letzte Woche die Pflanzen noch zurückschneiden müssen und heute liegt der erste Schnee. Ebenfalls fällt das Laub viel später von den Bäumen. Normalerweise liegt das Laub Mitte November bereits am Boden, jetzt ist Anfang Dezember und draussen sehen wir immer noch Laub an den Bäumen.

Hat der Klimawandel aufgrund der milderen Temperaturen zu weniger anspruchsvollen Winterdiensten geführt?
Nein, die Winter sind nicht einfacher geworden. Es kommt sehr auf den Winter darauf an, 2022 sind wir sechs Mal für den Winterdienst ausgerückt, das Jahr zuvor waren es dreissig Mal. Die Jahre variieren sehr stark, und es ist schwieriger geworden, den Schneefall vorherzusagen. Wir haben es zunehmend mit Blitzeis als mit Schnee zu tun.

Welche Ratschläge können Sie für klimafeste private Gärten geben?
Ich empfehle, mehr Bäume zu pflanzen und Flächen zu entsiegeln, wie etwa Einfahrten, die auf Kies statt Asphalt basieren können. Auch begrünte Fassaden und Dächer sind effektiv. Wichtig ist, die richtigen Bäume am richtigen Ort zu pflanzen und bestehende Bäume nicht zu roden. Der Test auf dem Marktplatz letzten Sommer zeigte, dass ein Baum neben einem Pool die lokale Temperatur um 1 Grad senken kann.

Ist Lyss für die kommenden Klimaveränderungen gut gewappnet?
Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft; mehr Strassen entsiegeln, Bäume pflanzen und Grünflächen schaffen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Gemeinde klimaangepasster zu machen, müssen dabei aber finanzielle Rahmenbedingungen beachten.

Das Interview mit Marco Läng wurde am 30. November 2023 in Lyss geführt.

Aufgaben des Werkhofs:

• Aufwerten des Siedlungsraumes
• Durchgrüntes Lyss
• Renaturieren von Fliessgewässern
• Sicherstellen von baulichen sowie betrieblichem Unterhalt zur Gefahrenabwendung
• Erbringen von Tiefbauarbeiten und Entsorgungen in der Gemeinde
• Bereitstellen von Infrastruktur und Logistikleistungen intern + extern
• Planen, Realisieren und Unterhalten der Abwasserentsorgungsanlagen
• Sicherstellen und Wahrnehmen Sammeldienste
• Betrieben von zentralen Sammelstellen für Wertstoffe sowie einer Tierkörpersammelstelle
• Sicherstellen und Wahrnehmen der Sammeldienste für Hauskehricht und Grüngut in Vertragsgemeinden

Madeleine und Marc Dinichert

Madeleine und Marc Dinichert, Senioren in Lyss
Madeleine und Marc Dinichert, Senioren in Lyss

„Es gibt Tage, an denen ich nicht raus kann.“

Niemand hat den Klimawandel über die Jahre so gut mitverfolgen können, wie Senioren und Seniorinnen. Die Gemeinde sprach mit dem pensionierten Ehepaar Marc und Madeleine Dinichert über Umweltbewusstsein, Generationen und weltweite Klimaprognosen.

Welche Klimaveränderungen haben Sie in den letzten Jahren bemerkt?
Marc: Im Alltag merke ich nicht viel. Aber über die Jahre gesehen stelle ich fest, dass es mehr heissere Tage und der Wind häufiger weht. In unseren Ferien am Murtensee merken wir, dass der Wind über die Jahre stärker geworden ist.
Madeleine: Am Murtensee habe ich Mühe mit der Bise. Es gibt Tage, an denen ich nicht raus kann, die ist dann so stark. Und das hat ganz eindeutig zugenommen.

Wie haben Sie die Hitzeperioden dieses Jahres im Juli und August erlebt?
Marc: Ich war erstaunt, wie gut es gegangen ist. In der Seniorenwandergruppe mussten wir dieses Jahr jedoch einmal eine Wanderung absagen, weil es zu heiss war und eine Hitzewarnung bestand. Wir wollten es nicht riskieren, denn ältere Personen sind anfälliger auf hohe Temperaturen. Bei Hitze fühle ich mich etwas schlapper, aber es stört mich nicht sehr.
Madeleine: Ich persönlich habe auch wenig Probleme die hohen Temperaturen auszuhalten. Ich bewege mich ein wenig langsamer und nehme mir die Zeit. Aber beim Nachdenken über die Klimathematik, da läuft es mir schon kalt den Rücken runter. Wir schauen oft Naturfilme in denen der Klimawandel, dadurch dass sich die Lebensbedingungen weltweit verändern, stets ein Problem darstellt. Das macht mir Sorgen.

Haben Sie auch manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber jüngeren Generationen?
Marc: Ich fühle mich nicht direkt schuldig. Wir müssen jedoch an die jungen Generationen denken und dafür sorgen, dass es ihnen klimatisch besser geht. Besorgniserregend ist, dass die Klimaprognosen übertroffen wurden. Die Gletscher schmelzen schneller und das Meer wird wärmer als angenommen. Es ist keine Panikmache, sondern es wird tatsächlich zu wenig getan. Weltweit geschieht erstaunlich wenig, obwohl die Wissenschaft klare Grundlagen bietet.
Madeleine: Ich habe kein schlechtes Gewissen. Wir haben bewusst gelebt, z.B. ein Auto mit einer anderen Familie geteilt und haben unseren Kindern von Klein auf Umweltbewusstsein mitgegeben. Sie mussten beispielsweise schon früh das Kompostkübeli leeren.

Heute sind geteilte Verkehrsmittel wieder im Trend. Haben Sie schon damals das Auto aus umweltgründen mit einer anderen Familie geteilt?
Marc: Ja das haben wir aus Umweltgründen gemacht. Mein Vater hat das schon vorgelebt; wir sind oft mit dem Zug gereist.
Madeleine: Meine Eltern hatten gar nie ein Auto; mein Vater war ein „Eisenbähnler“. Wir waren oft mit dem Zug unterwegs. Man übernimmt diese Lebensweisen und Werte von zuhause.

Was wünschen Sie sich von der Gemeinde Lyss, um sich den vermehrten Hitzetagen, häufigeren Extremereignissen und wärmeren Durchschnittstemperaturen anzupassen?
Madeleine: Im Kambly-Areal, in dem wir jetzt wohnen, ist alles im hohen Standard und mit Blick in die Zukunft gebaut worden, mit einem riesigen Gartenpark zum Spazieren und eine Tonne an Bäumen. Ganz optimal wäre eine Gebäudebegrünung gewesen, doch die Wohnungen sind sehr gut isoliert und man kann gut durchlüften.
Marc: Mir gefällt die kurze Distanz zu Erholungsräumen in Lyss. Besonders an wärmeren und windigen Tagen ist man schnell am Lyssbach oder im Wald, um dort etwas geschützt die Natur zu geniessen. Mir liegt es sehr am Herzen, dass die gesamte Gemeinde darauf achtet, verantwortungsbewusst mit unserem Wasser umzugehen.

Tipps für Ihren Alltag bei Hitze:

• Informieren Sie sich über bevorstehende Hitzewellen
• Trinken Sie ausreichend
• Machen Sie regelmäßig Pausen
• Erholen Sie sich zur Abkühlung während Ihrer Pausen im Schatten in nahegelegenen Parks, Gärten, schattigen Hinterhöfen oder in kühleren Aufenthaltsräumen
• Kleiden Sie sich luftig mit einlagiger, atmungsaktiver Kleidung
• Fördern Sie Ihre Fitness, da regelmäßiger Sport das Herzkreislaufsystem stärkt und dessen Leistungsfähigkeit erhöht. Das Herzkreislaufsystem wird bei Hitze besonders gefordert

Symptome und Anzeichen einer Überhitzung:

• Schwäche und Müdigkeit
• Verwirrtheit, Schwindel, Bewusstseinsstörungen
• Kopfschmerzen
• Muskelkrämpfe
• Trockener Mund
• Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
• Hohe Körpertemperatur
• Starkes Schwitzen
• Erhöhter Puls

Klimawandel: Auswirkungen und Anpassung

Einerseits ist es wichtig, dass wir alle zusammenarbeiten, um weniger Treibhausgase zu emittieren, dass der Klimawandel verlangsamt fortschreitet und bestenfalls stoppt. Das hilft, die Erwärmung der Erde zu verlangsamen. Andererseits sehen wir uns schon jetzt mit Veränderungen durch den Klimawandel konfrontiert, auf die wir reagieren müssen.

Klimawandelauswirkungen

Ein weiteres Fortschreiten des Klimawandels hat mehrheitlich negative Auswirkungen. In der Schweiz droht extremeres Wetter mit trockeneren Sommern, heftigeren Niederschlägen, mehr Hitzetagen und schneearmen Wintern. In Gebirgsregionen ist mit zusätzlichen Risiken wie Felsstürzen und Murgängen sowie dem Verlust an Artenvielfalt zu rechnen.
Beobachtungsdaten zeigen, dass die starke Erwärmung Auswirkungen auf viele weitere Klimagrössen in der Schweiz hat:

Die Schweiz erwärmt sich sogar schneller als die globale Durchschnittstemperatur. Global liegt das aktuelle Klimamittel bereits 1,3 °C, in der Schweiz sogar 2,8 °C über dem vorindustriellen Durchschnitt 1871-1900. (Quelle: Klimawandel - MeteoSchweiz (admin.ch))
Die Schweiz erwärmt sich sogar schneller als die globale Durchschnittstemperatur. Global liegt das aktuelle Klimamittel bereits 1,3 °C, in der Schweiz sogar 2,8 °C über dem vorindustriellen Durchschnitt 1871-1900. (Quelle: Klimawandel - MeteoSchweiz (admin.ch))

Das können wir tun:

Klimaanpassung im Siedlungs- und Stadtraum

Nicht versiegelte Oberflächen, wie zum Beispiel eine Kiesfläche anstelle eines asphaltierten Platzes, tragen einerseits dazu bei, Überschwemmungen bei starken Regenfällen zu verhindern, da das Wasser direkt in den Boden versickern kann. Andererseits sorgt eine solche Fläche für eine kühlere Umgebung, da die gespeicherte Feuchtigkeit verdunstet und dadurch einen kühlenden Effekt erzeugt.

Als Schutz vor Hitze hilft auch die Beschattung durch Bäume oder eine Umgebungskühlung durch Gewässer. Wichtig dabei ist es, einheimische Pflanzen zu verwenden. Denn durch die milderen Winter und wärmeren Sommer, profitieren vor allem auch Neophyten und Schädlinge, denen das veränderte Klima gut passt.

Übrigens: Auch der Lyssbachstollen ist eine Klimaanpassungsmassnahme, die Lyss erfolgreich vor Überschwemmungen schützt. Die Gemeinde entging mit dem Bau über 40 Millionen Franken Schaden: Gemeinde Lyss » Lyssbachstollen verhinderte Schäden von über 40 Mio. Franken

Klimaanpassung von hitzeanfälligen Personen

Hohe Temperaturen gefährden die Gesundheit insbesondere von älteren Menschen, Pflegebedürftigen, Personen mit chronischen Erkrankungen, Schwangeren, Kleinkindern, Säuglingen und Menschen, die im Freien arbeiten. Es ist wichtig, sich bei Hitzetagen, Tropennächten und Hitzewellen angepasst zu verhalten.

Vermehrtes Schwitzen kann zu hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten führen und das Erweitern der Blutgefässe lässt den Blutdruck fallen. Dadurch droht das Herz-Kreislaufsystem zu überlasten und es können hitzebedingte Erkrankungen wie Hitzeerschöpfung, Hitzschlag oder Sonnenstich entstehen.

Während Hitzewellen ist es wichtig den Körper kühl zu halten und mindestens 1.5 Liter Wasser am Tag zu trinken. Kleinere, leichte Mahlzeiten mit wasserreichem Obst und auch salzhaltige Lebensmittel helfen, den Wasser und Elektrolyten Verlust durch das Schwitzen wieder auszugleichen. Meiden Sie wenn möglich, direkte Sonneneinstrahlung und kühlen Sie sich mit kühlenden Lotionen, kalten Tüchern auf Stirn und Nacken, sowie kalten Fuss- und Handbädern.
Mehr Infos dazu: Bundesamt für Gesundheit

Gemeinde Lyss | Marktplatz 6 | Postfach 368 | 3250 Lyss | 032 387 01 11 | gemeinde(at)lyss.ch

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